Gendern im Praxistest

 

Es gibt viele Maßnahmen, die man oder frau im Interesse eine „geschlechtergerechten“ Sprache ergreifen können, von minimalen bis zu solchen offensiven, die die Frauen direkt oder indirekt betonen.

Als Autor von Büchern über das Schreiben muss ich auf die Frage eingehen, wie diese Maßnahmen sich auf die Qualitätsmerkmale von Texten auswirken, insbesondere auf deren leichte/angenehme Lesbarkeit, Eindeutigkeit, Verständlichkeit und auf deren sprachliche Korrektheit. In der Diskussion werden meist solche Sachtexte als Beispiele verwendet, die viele Berufsbezeichnungen enthalten. Bei diesen wirkt sich Gendern stark, also störend, aus. Deswegen habe ich einen beliebigen langen Sachtext zum Testen genommen, und zwar mein eigenes Buch „Schreiben im Beruf“, weil ich wusste, was ich als Autor gewollt habe, und weil ich keine Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht befürchten musste. – Ich habe nur die Anhänge gelöscht, weil sie für das Gendern unergiebig sind und weil sie teilweise Zitate enthalten.

Drei Ansätze für das Auswählen der Maßnahmen boten sich an (wie ich sie im Beitrag „Gendern: Welche Maßnahmen wende ich an“ beschrieben habe):

  • das moderate/gemäßigte Gendern
  • das abschnittsweise Gendern (immer nur die männliche oder nur die weibliche Sprachform in langen Abschnitten, also weiterhin moderat/gemäßigt)
  • das betonte Gendern

Das minimale Gendern war im meinem Buch schon vollzogen, weil ich schon respektvoll gegenüber Frauen geschrieben habe (ein Kapitel ist gemäß diesem Konzept für einen Abschnitt mit männlichem Gendern geblieben). Das offensive Gendern kam wegen der schlechten Lesbarkeit solcher Texte für meinen Test nicht in Betracht.

Zum gegenderte Buch

Die Formel “Je mehr Gendern, desto mehr Beeinträchtigung der Qualitätsmerkmale“ stimmt im Ansatz. Allerdings beeinträchtigt das abschnittsweise Gendern die Qualitätsmerkmale kaum, ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Zu meiner Beurteilung im Einzelnen